Im Qigong gibt es eine Übung, die heißt: Den Berg wegschieben.
Du stehst da, setzt einen Fuß nach vorne und schiebst. Ganz langsam. Ganz sanft. So langsam, dass es fast lächerlich aussieht.
All die großen Brocken, die dir im Alltag im Weg hängen – die Termine, die Erwartungen, die Liste im Kopf, die nie kürzer wird. Du schiebst sie weg. Nicht mit Kraft, nicht mit Tempo.
Und genau das ist der Punkt: Langsam und sanft ist nachhaltiger als schnell und hart. Auch wenn es länger dauert.
Warum das funktioniert
Wir sind darauf trainiert, Probleme zu lösen – durch mehr Kraft, mehr Tempo, mehr Einsatz. Das ist tief in uns drin, als Ingenieur sowieso, aber auch als Mensch in einer Leistungsgesellschaft.
Qigong dreht das um. Du übst buchstäblich, Widerstand nicht zu überwältigen, sondern ihn zu bewegen. Mit Geduld. Mit Gleichmut. Mit der Überzeugung, dass ganz langsam auch ankommt.
Das klingt nach Yoga-Weisheit. Aber ich erlebe es körperlich – und das ist der Unterschied. Wenn du die Übung machst, spürst du, wie schwer "ganz langsam" wirklich ist. Wie viel Kontrolle es braucht, nicht nachzugeben.
Der Fehler, den die meisten machen
Die meisten Menschen scheitern nicht an der Aufgabe. Sie scheitern daran, dass sie den Berg mit einem Mal wegschieben wollen.
Im Training: alles auf einmal ändern. Ernährung, Schlaf, dreimal die Woche Sport – ab Montag. Zwei Wochen später ist alles wie vorher.
Fang mit einem Brocken an. Heute. Ganz langsam. Das ist keine Schwäche – das ist die einzige Strategie, die wirklich funktioniert.
Wie du das selbst ausprobieren kannst
Stell dich gerade hin. Setz einen Fuß etwa eine Schulterbreite nach vorne. Strecke beide Arme langsam nach vorne, als würdest du gegen eine Wand schieben – nicht gegen eine Mauer, sondern gegen etwas, das sich bewegt. Ganz langsam. Atme dabei ruhig.
Halte das 30 Sekunden. Was nimmst du wahr?
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